Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, entwickeln Problemlösefähigkeiten und soziale Kompetenzen. Pädagogische Theorie und Forschung bestätigen: Die bewusste Einbeziehung der Interessen von Kindern ist ein zentraler Bestandteil qualitativer Bildungsarbeit in Kitas (vgl. Knauer & Hansen, 2019; Brandenburger Bildungsplan, 2020).
Aber wie kommen die Interessen von Kindern in den Kita-Alltag? Ein Beispiel: Der Godzilla-Moment. In einer Kita ist gerade Freispielzeit. Ein Junge kommt auf die Pädagogische Fachkraft zu, denn er möchte ein Bild von Godzilla ausmalen. Da er weiß, dass die Fachkraft auf seine Interessen eingeht, benennt er seinen Wunsch. Die Pädagogische Fachkraft sucht einen Moment nach einem passenden Ausmalbild und druckt ein kindergartengerechtes Godzilla-Bild aus. Einige Minuten später sitzen sechs Jungen der Gruppe am Maltisch und malen begeistert die Godzilla-Bilder aus.
Interessen und Lernbedarfe der Kinder beobachten, dokumentieren und aufgreifen
Kinder zeigen ihre Interessen auf vielfältige Weise – durch Fragen, Spiele, Wiederholungen oder spontane Äußerungen. Pädagogische Fachkräfte nehmen diese Signale aufmerksam wahr, dokumentieren sie und beziehen sie gezielt in die Planung von Bildungsangeboten ein. Methoden wie der Lotusplan oder das Interessenregal machen Themen sichtbar und ermöglichen den Kindern, aktiv Entscheidungen zu treffen (vgl. auch die verlinkte pdf-Datei mit Praxistipps am Ende des Beitrags).
Beobachtung und Dokumentation dienen dabei als Grundlage für das sogenannte „Bridging“ (Brücke bauen). Pädagogische Fachkräfte stellen hier eine Verbindung zwischen dem aktuellen Lernbedarf eines Kindes und seinen Interessen her. So kann zum Beispiel ein Kind, das selten Bücher anschaut, durch die Faszination für Fische und die Unterwasserwelt motiviert werden, sich mit Büchern zu seinem Interessensthema zu befassen – die Interessen eröffnen somit den Zugang zu einer gezielten Lerngelegenheit.
Dokumentierte Interessen und Entwicklungsschritte werden zum Ausgangspunkt für Impulse, Angebote oder exploratives Spiel, das Kinder aktiv einbezieht, Neugier weckt und Selbstwirksamkeit fördert. Auf diese Weise wird Bildung situationsnah, partizipativ und an den Potenzialen der Kinder orientiert. Beziehung und Empathie bilden dabei die Grundlage, um Kinderinteressen ernst zu nehmen und Prozesse sinnvoll zu begleiten.
Impulse setzen – die Rolle der pädagogischen Fachkraft im Kita-Alltag
Pädagogische Fachkräfte stehen in einer ständigen wechselseitigen Interaktion mit den Kindern: Sie nehmen ihre Interessen wahr, schaffen eine anregende Umgebung und setzen gezielt Impulse, die das Lernen und Entdecken begleiten. Der Brandenburger Bildungsplan betont, dass Alltagssituationen nicht nur strukturiert, sondern als Bildungsgelegenheiten verstanden werden, in denen Kinder ihre Themen verfolgen und pädagogische Fachkräfte sie unterstützen, ohne fertige Lösungen vorzugeben. Fachliche Interaktion kann als Ko‑Konstruktion verstanden werden: Kinder und pädagogische Fachkräfte entwickeln Wissen gemeinsam weiter, indem Ideen, Fragen und Interessen der Kinder aufgegriffen, Impulse gesetzt und Erkundungsmöglichkeiten eröffnet werden – so entsteht Lernen aktiv und partizipativ.
(siehe hierzu auch den Beitrag: „PQB-Impuls - Gemeinsam denken: Sustained Shared Thinking (SST) als Methode zur kognitiven Anregung in Kitas“ von Christine Reitinger)
Pädagogische Fachkräfte nehmen kindliche Signale wahr, erkennen Interessen der Kinder und setzen situationsbezogene Impulse, die Neugier vertiefen und Selbsttätigkeit ermöglichen. Dazu gehört auch, Materialien so zu arrangieren, dass sie exploratives Spiel anregen und Raum für unverplante Zeit zulassen, in der Kinder eigene Wege entwickeln können. Impulse können offene Fragen sein („Was würdet ihr dazu noch brauchen?“), Herausforderungen („Wie könnten wir das noch anders ausprobieren?“) oder das Anbieten zusätzlicher Materialien, die zur aktuellen Kinderidee passen. Gleichzeitig achten die Fachkräfte darauf, wie Kinder auf Impulse reagieren, um dann das pädagogische Handeln situationsgerecht anzupassen.
Wesentlich für diese Form der Begleitung ist eine beziehungsorientierte Haltung, in der Kinderperspektiven ernst genommen und Vertrauen aufgebaut wird. So werden Kinderinteressen sichtbar, Lernprozesse gemeinsam gestaltet und Bildung zu einem lebendigen, partizipativen Prozess, in dem pädagogische Fachkräfte Impulse setzen.
In den Bildungsplänen und pädagogischen Leitlinien ist es längst verankert: Kinder sind aktive Mitgestalter ihrer Bildungsprozesse. Ihre Interessen gelten als wertvoller Kompass für das, was sie lernen möchten – und können. Hier wird betont, dass Bewegung, Spiel und Lernen eng miteinander verbunden sind und im Alltag miteinander verwoben werden können und sollen. Das bedeutet: Jede Entscheidung, jedes Angebot, jeder Moment kann ein Raum sein, in dem Kinder ihren Interessen folgen. Pädagogische Fachkräfte haben die Möglichkeit, diese Räume bewusst zu gestalten – mal durch Kleingruppen, mal durch flexible Angebote oder Impulse, die Kinder einladen, selbst aktiv zu werden. Schon kleine Veränderungen im Tagesablauf können den Kindern mehr Selbstbestimmung, Entfaltung und Freude am Lernen ermöglichen. So wird der Alltag lebendiger, weil Kinder dort abgeholt werden, wo ihre Neugier und Begeisterung liegen.
Fragen zur Reflexion und für die Teambesprechung:
- Welche Momente im Kita-Alltag ermöglichen es den Kindern, ihren Interessen nachzugehen?
- In welchen Routinen (z. B. Morgenkreis, Frühstück, Angebote) haben Kinder Gelegenheit, ihre eigenen Interessen einzubringen oder diesen nachzugehen?
- Auf welche Weise greifen wir die Interessen der Kinder im pädagogischen Alltag auf und machen diese sichtbar (z. B. im Spiel, in Gesprächen, in der Raumgestaltung oder in Dokumentationen)?
- Wo lassen sich bei uns Praxisideen/Veränderungen einführen und die Interessen der Kinder stärker aktiv einbeziehen?
- An welcher Stelle und wie können wir die Themen der Kinder sichtbar machen und die Themen benennen?
Quellen
- Brandenburger Bildungsplan (2020). Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg. bildungsplan-brandenburg.de
- Bostelmann, A. (Hrsg.): Das Portfolio‑Konzept für Kita und Kindergarten. Verlag an der Ruhr, 2007. Lotusplan
- Knauer, R., & Hansen, R. (2019). Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita. Partizipation als pädagogische Qualität.
- NIFBE (2021). Partizipation und Demokratiebildung in der Kita. Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung. https://nifbe.de/fachbeitraege/partizipation-und-demokratiebildung-in-der-kita
- Wedewardt, L. (2024) Kinder achtsam und bedürfnisorientiert begleiten in Krippe, Kita und Kindertagespflege
Hier finden Sie eine Zusammenstellung von Praxisideen:
So kommen die Interessen der Kinder in den Alltag (pdf-Datei)
Der Beitrag wurde verfasst von Monika Krause, PQB beim evKITA.
Dieser kurze Impuls soll Ihnen einen konkreten Eindruck vermitteln, an welchen Themen und mit welchen Methoden Sie mit Ihrer/m PQB arbeiten können.
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- Weitere Informationen zu PQB
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Dieses Projekt wird aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Familie und Soziales gefördert.


