Besonders deutlich wird dies bei der Inanspruchnahme von Kita-Plätzen durch sozial-belastete Familien. Kinder, die am dringendsten Unterstützung bräuchten, kommen häufig erst im letzten oder vorletzten Jahr vor der Einschulung in die Kita. Die Folge: Sprachförderangebote, soziale Teilhabe und frühe Lernchancen erreichen oft diejenigen Kinder zu spät, die am meisten davon profitieren würden. Zudem unterscheiden sich die Bedingungen, unter denen Kindertageseinrichtungen dieser wichtigen Aufgabe nachkommen, teilweise stark. Häufig sind gerade dort, wo sich Herausforderungen mit Blick auf Bildungsgerechtigkeit ballen, die Rahmenbedingungen vergleichsweise schlecht. So besteht das Risiko, dass solche Einrichtungen zu „Kitas zweiter Klasse“ werden. Nicht, weil dort schlechter oder weniger engagiert gearbeitet würde, sondern weil die Rahmenbedingungen für erfolgreiches pädagogisches Wirken den besonderen Herausforderungen nicht gerecht werden.[2]
Das ist nicht nur sozial ungerecht – es ist bildungs- und gesellschaftspolitisch kurzsichtig.
Die Bayerische Staatsregierung hat erkannt, dass die Lage prekär ist und auf der letzten Kabinettssitzung entschieden, stärker in die Infrastruktur der frühen Bildung zu investieren. Die von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten Mittel müssen nun möglichst zügig in den Kitas ankommen.[3]
Die Entscheidung, Direktzahlungen an Familien durch Investitionen in das Kita-System zu ersetzen, ist in den letzten Tagen viel diskutiert worden. Erwähnt wurde dabei häufig nicht, dass es für Familien mit geringen Einkommen selbstverständlich weiterhin Möglichkeiten gibt, über die Jugendhilfe Zuschüsse zu Elternbeiträgen zu beantragen.
Eine verlässliche Kinderbetreuung ist nicht nur für die Kinder und ihre Familien wichtig, sondern eine wesentliche Grundlage für die Berufstätigkeit von Eltern und ein harter Standortfaktor für Kommunen. Daher sind nun auch Kommunen und Arbeitgeber aufgefordert ihren Anteil zu leisten. Zum einen sind beispielsweise die Zuschüsse von Arbeitgebern zu Elternbeiträgen steuerfrei. Hier können Arbeitgeber nicht nur Kinderbetreuung fordern, sondern sie auch direkt und effektiv unterstützen. Zum anderen müssen Kommunen Kitas in Stadtteilen mit hohen sozialen Belastungsfaktoren besonders finanziell und fachlich unterstützen.
Wenn wir Kinderrechte ernst nehmen wollen, dann müssen wir mehr tun als sie zu feiern. Wir müssen sicherstellen, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort – tatsächlich Zugang zu guter frühkindlicher Bildung hat. Denn jedes Kind zählt. Nicht als Motto, sondern als politische Verpflichtung.
Aktuell vertritt der evKITA rund 700 Träger. Derzeit bieten evangelische Kitas bayernweit mehr als 110.000 Plätze für Kinder in ca. 1.600 Einrichtungen an. Der evKITA vertritt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, das Diakonische Werk Bayern und seine Mitglieder in allen Fragen, die Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder betreffen.
[1] https://headless-live.unicef.de/caas/v1/media/385624/data/d621666e6a2f3c427c427ccf96df887e
[2] https://www.fes.de/themenportal-bildung-arbeit-digitalisierung/bildung/kitas-2-klasse
[3] Lesen Sie hierzu auch unsere Pressemitteilung vom 11.11. 2025 - https://www.evkita-bayern.de/magazin/magazin-detail/doppelhaushalt-bringt-wende-in-der-kita-finanzierung
Hier können Sie die Pressemitteilung als pdf-Datei herunterladen.


