Die Reise im Oktober 2025 dauerte von Donnerstag bis Sonntag und bot so zwei volle Tage vor Ort. Ziel war die Kleinstadt Szentendre in der Nähe von Budapest. Die Gruppe wurde von den ungarischen Gastgebern im Gemeindehaus empfangen und von Pfarrer Horváth-Hegyi Olivér und der ehemaligen Kita-Leitung und heutigen Koordinatorin für die Partnerschaftsarbeit im Kita-Bereich Eva Csesznak begrüßt. Der erste Abend diente vor allem dem Kennenlernen - besonders für die neuen Teilnehmenden. Das übergeordnete Thema für diese Reise lautete auf Vorschlag der Gastgeber „Tradition“ und alle hatten die Möglichkeit, ihre ersten Gedanken dazu zu teilen. So war der Kennenlern-Abend gleichzeitig ein lockerer Einstieg ins Thema.
Kulturelles Programm und pädagogischer Austausch
Neben vielen inhaltlichen Impulsen gehörte zum Programm auch eine Stadtrundfahrt durch Budapest, sowie ein Besuch im Heimatmuseum und eine Führung durch Szentendre. Auch eine gemeinsame Volkstanzstunde sowie eine Weinprobe fanden statt und stifteten Gemeinschaft.
Der inhaltliche Schwerpunkt lag jedoch auf religionspädagogischen und pädagogischen Fragen. Ein Höhepunkt war der Besuch und die Hospitation im evangelischen Musik-Kindergarten Szentendre, in dem die Bedeutung von Tradition besonders sichtbar wurde – zum Beispiel bei der Aufführung eines Singspiels zum Thema „Erntedank und Weinlese“. „Das war gelebte Tradition und die Kinder hatten beim Spielen sehr viel Spaß“, so Pfarrerin Susanne Menzke.
Tradition als Thema der Partnerschaft
Das Gesprächsthema „Tradition“ erwies sich als sehr ergiebig. Schon in den vergangenen Jahren hat sich der Kulturvergleich zu einer festen Tradition der Partnerschaft entwickelt. Es ging um Feste, die man feiert oder bewusst nicht feiert, etwa um die Frage, wie mit Halloween umgegangen wird. Der ungarische Pfarrer erklärte, warum er Halloween aus theologischen und pädagogischen Gründen kritisch sieht: Die thematische Nähe zu Angst und Spiritismus findet er für Kinder nicht hilfreich.
Besonders beeindruckend war die sichtbar gelebte Frömmigkeit in der ungarischen Praxis – deutlich stärker ausgeprägt als in vielen bayerischen Einrichtungen. Gleichzeitig wurde betont, dass Traditionen stets hinterfragt werden müssen – ganz im Sinne Luthers. Der Pfarrer beschrieb, welche Traditionen ihm wichtig sind: solche, die Nächstenliebe stärken, gemeinschaftsstiftend sind und Kindern helfen, den christlichen Glauben sichtbar und erfahrbar zu machen.
Ein Beispiel für die Verbindung von Tradition und Innovation ist der Umgang mit jungen Familien: Früher kamen Frauen nach der Geburt ihres Kindes zum Segen in die Kirche. Heute geht der Pfarrer ins Krankenhaus – ein modernes, aufsuchendes Zeichen.
Fachlicher Gewinn für beide Seiten
Auch aus pädagogischer Sicht gab es zahlreiche inhaltliche Impulse, etwa durch Beiträge zu kirchlichen Festen im Jahreskreis, zur Arbeit mit Bildern und zur Verbindung von Tradition und Innovation. Alternativ: „Uns hat beeindruckt, mit wieviel Engagement, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein die ungarischen Pädagog*innen ihre Kinder in den Themen Traditionen und Werten begleiten,“ so Susanne Teubner, Leitung der evangelischen Kita Bienenhaus in Murnau
Da die Kirchengemeinde in Ungarn Träger der Kita ist, waren sowohl der Pfarrer als auch die Kita-Leitungen präsent – ein Miteinander, das als sehr stimmig und inhaltlich nah empfunden wurde.
Das Fazit von Fachberaterin Sigrid Schmidts zur Ungarnpartnerschaft: „Die Begegnung ist von Vertrauen und hoher Wertschätzung geprägt. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die den Dialog schätzt und Brücken baut.“
Seit mehr als 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn (ELKU). Im Jahr 2022 wurde diese Partnerschaft bis 2030 verlängert. Der jährliche gemeinsame Austausch zwischen den Kitas ist Teil dieser Partnerschaft. Bei den Fortbildungen gibt es immer Teilnehmende, die die Übersetzung übernehmen, so dass die inhaltliche Arbeit gut funktioniert. Interessierte Kitas sind herzlich eingeladen, sich an der Partnerschaft zu beteiligen oder eine direkte Partnerschaft mit einer ungarischen Kita einzugehen. Kontakt und Rückfragen: |


