Der evKITA gehört mit vier Sprach-Fachberatungen, fünf Verbünden und insgesamt 67 Einrichtungen zu den größten Anstellungsträgern im Kontext der Sprach-Kitas in Bayern – und setzt damit bewusst ein Zeichen für Qualitätsentwicklung.[1]
Im Zentrum des Programms, das durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz wissenschaftlich begleitet wird, steht die alltagsintegrierte sprachliche Bildung. Spracherwerb wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in alltäglichen Situationen gefördert: beim Anziehen, im Spiel oder in Essenssituationen. Es geht auch darum, Mehrsprachigkeit wertschätzend aufzugreifen und zu nutzen. Zu Beginn waren neben der sprachlichen Bildung die Themen inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien im Fokus, später kam der Schwerpunkt digitale Bildung hinzu. Mit dem Übergang zum Landesprogramm erfolgte eine Re-Fokussierung auf das Thema Sprache und Interaktionsgestaltung. Aktuell wird die Rahmung und Ausgestaltung des „Vorkurs Deutsch 240“ verstärkt in den Blick genommen.
Die Sprachfachberatungen koordinieren und unterstützen die Vernetzung der Einrichtungen in den Verbünden, bringen ihre Expertise ein und beraten Kitas individuell vor Ort. Durch eine kontinuierliche fachliche Weiterqualifizierung sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis. Weiterhin wird im Rahmen des Programms in den Sprach-Kitas eine Fachkraft für Sprache gefördert. Durch die Freistellung vom Gruppendienst kann sie sich ganz auf die Prozessqualität der Interaktionen konzentrieren: Welche sprachlichen Anregungen erhalten die Kinder, welche Möglichkeiten der Beteiligung erfahren Kinder mit geringem aktivem Wortschatz in sprachlich geprägten Situationen, wie werden die unterschiedlichen Familiensprachen wertgeschätzt und in die pädagogische Arbeit eingebettet? Ein Tandem aus Kita-Leitung und der zusätzlichen Fachkraft für Sprache kann in der Kita die individuellen Gegebenheiten, die konkreten Bedarfe der Kinder und deren Eltern sowie die Kompetenzen der Kolleg*innen vor Ort in den Blick nehmen und so aktiv an einer nachhaltigen Weiterentwicklung von sprachanregenden Kontexten arbeiten.
Herausforderungen und Chancen
Eine kontinuierliche Planungssicherheit zur Weiterführung der Sprach-Kitas stellte in diesen zehn Jahren die größte Herausforderung dar. Das Programm wurde zwar immer wieder verlängert, die Informationen dazu kamen allerdings häufig so kurzfristig, dass zusätzliche Fachkräfte oder auch Sprach-Fachberatungen ihre befristeten Stellen bereits verlassen hatten. Auch konnten in den zehn Programm-Jahren aufgrund fehlender Kapazitäten nur wenige Kitas neu ins Programm aufgenommen werden. Diese herausfordernden Erfahrungen haben deutlich gemacht, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für nachhaltige Qualitätsentwicklung sind.
Zugleich hat sich in diesen zehn Jahren gezeigt, dass es sich lohnt, das Thema Sprache in der Kita bewusst zu adressieren: angefangen von der Gestaltung einer sprachanregenden Lernumgebung wie z.B. Einrichten von Schreibwerkstätten oder Literacy-Bereichen und (mobilen) Kinderbibliotheken, großartigen Projekten mit Kindern auch unter Einbezug digitaler Medien bis zu einem gefüllten Koffer an Werkzeugen, derer sich pädagogische Mitarbeitende in der bewussten Gestaltung von Interaktionen mit Kindern bedienen können.
Jahresmotto: „Wir feiern Sprache“
Das Jahr 2026 steht bei den 67 Sprach-Kitas, die der evKITA begleitet, unter dem Motto „Wir feiern Sprache“. Dabei werden Beispiele guter Praxis genauso im Mittelpunkt stehen wie die Vernetzung mit anderen Sprach-Kitas oder die Reflexion der nachhaltigen Entwicklung. Wie konkret dies in den fünf Verbünden zum Ausdruck kommen wird, liegt in den Händen der einzelnen Sprach-Kitas und deren Sprach-Fachberatungen.
Für einzelne Kitas wird es darüber hinaus die Möglichkeit geben, an Teilprojekten teilzunehmen. So möchte das IFP gemeinsam mit Kitas im Sprengel von Startchancen-Grundschulen deren besondere Bedarfe und Unterstützungsmöglichkeiten eruieren. Hier besteht für die Beteiligten die Möglichkeit, aktiv und gestaltend auf eine mögliche Variante zukünftiger Schwerpunktsetzung der Sprach-Kitas einzuwirken.
Ein weiteres Projekt gibt zehn Kitas die Möglichkeit, sich vertiefter mit dem Thema „Translanguaging“[2] auseinanderzusetzen und diesen Ansatz bewusst in den pädagogischen Alltag zu implementieren.
[Nachtrag d. Red: Das ursprünglich angedachte Teilprojekt „Sprach-Kita plus“ ist nun doch für alle Einrichtungen geöffnet. Die Inhalte sind im Baustein „Sprachliche Bildung am Übergang“ integriert. Damit stehen sie allen Sprach-Kitas flexibel und im eigenen Tempo zur Verfügung. Stand: 16.03.2026]
Ausblick
Es braucht einen kontextbezogenen und kontinuierlichen Blick für eine qualitativ wertvolle Unterstützung und Begleitung kindlichen Spracherwerbs. Daher unterstützt der evKITA gerne die Weiterentwicklung des Sprach-Kita Programms und bietet bei einer Neu-Ausrichtung ab 2027 bei entsprechenden Bedingungen gerne wieder verlässliche Begleitung an.
Veronika Dornheim, Koordination PQB und Sprach-Fachberatung
Dieses Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ausgewählt wird aus Mitteln des Bundes gefördert.
[1] Derzeit gibt es in Bayern insgesamt 463 Sprach-Kitas mit 504 Sprach-Fachkräften, die von 27 Sprach-Fachberatungen in insgesamt 32 Sprach-Kita-Verbünden begleitet werden. (https://www.ifp.bayern/de/projekt/sprach-kitas/)
[2]Translanguaging bezeichnet die flexible Nutzung des gesamten sprachlichen Repertoires (aller Sprachen und Dialekte) durch mehrsprachige Personen, um zu kommunizieren, Wissen zu konstruieren und Identität auszuhandeln.


