… herausgegeben.[1] Darin wird besonders die im bundesweiten Vergleich niedrige Fachkraftquote in Bayern hervorgehoben, die auch damit zusammenhängt, dass die bayerischen Kinderpfleger*innen und Ergänzungskräfte nicht als Fachkräfte gezählt werden. Unter der Überschrift „Wenige Fachkräfte in Bayerns Kitas - ist das ein Problem?“ hat die dpa die Reaktionen aus Bayern zur Sonderauswertung zusammengefasst.[2]
evKITA zur Fachkraftquote
Christiane Münderlein, evKITA-Vorständin Bildung und Soziales hat das Thema Fachkraftquote und Qualifizierung von Fachkräften in einer Stellungnahme kommentiert:
„Die Qualifizierung von Fachkräften ist maßgeblich für die Qualität der pädagogischen Arbeit in Kitas. Allerdings unterscheiden sich Ausbildung, Anerkennung und tatsächliche Qualität der pädagogischen Kräfte von Bundesland zu Bundesland erheblich und sind deshalb nur bedingt vergleichbar.
1. Auswirkungen einer niedrigen Fachkraftquote auf die Qualität
In Bayern arbeiten traditionell überdurchschnittlich viele Kinderpflegerinnen. Sie leisten engagierte Arbeit, verfügen aber aufgrund geringerer schulischer Vorerfahrung und geringerer Ausbildungszeit über weniger Schwerpunkte in pädagogischer Diagnostik, Sprachförderung und Entwicklungsbegleitung. Studien belegen, dass gerade für Kinder aus benachteiligten Familien die Qualität der Interaktionen mit gut ausgebildeten Fachkräften entscheidend ist. Eine dauerhaft niedrigere Anzahl an hochqualifizierten Mitarbeiter:innen wirkt sich daher unmittelbar auf Bildungsgerechtigkeit und das Wohlbefinden der Kinder aus.
Gleichzeitig zeigt sowohl Praxis als auch Forschung, dass die formale Ausbildung nur ein Baustein der Professionalität ist. Entscheidend für die Qualität, die bei den Kindern ankommt, sind Einarbeitung, kontinuierliche Weiterbildung, qualifizierte Leitung sowie externe Beratungssysteme. In Bayern hat sich hier besonders das System der Pädagogischen Qualitätsbegleitung bewährt, die Kitateams unterstützt die Interaktionsqualität zu fördern. Auch die Weiterbildung von Kinderpfleger:innen zur Fachkraft ist eine wichtige Form der Personalentwicklung – wenngleich sie bislang nicht bundesweit anerkannt ist und deshalb in Statistiken die tatsächliche Kompetenz der bayerischen Teams oft unterschätzt wird.
2. Warum eine höhere Qualität von Fachkräften erstrebenswert wäre
Nicht die bloße Quote entscheidet, sondern die gelebte Beziehungs- und Interaktionsqualität, die regelmäßige Reflexion und eine hohe Leitungs- und Trägerqualität. Internationale Vergleiche zeigen, dass auch Systeme mit geringer formaler Fachkraftquote, aber mit starken Leitungsstrukturen, sehr gute Qualität erreichen können. Dennoch gilt: Je mehr pädagogisch vertieft qualifiziertes Personal Kinder individuell begleitet, Eltern berät und inklusive Prozesse gestaltet, desto besser sind die Chancen, Kinder frühzeitig in Sprache, sozial-emotionaler Entwicklung und Selbstwirksamkeit zu stärken – also in genau den Bereichen, in denen die Forschung die größten Effekte belegt.
3. Warum Bayern in der Untersuchung schlecht abschneidet
Die Ursachen liegen vor allem in Struktur und Finanzierung:
- Historisch war die Kinderpflege in Bayern ein eigenständiger, anerkannter Ausbildungsweg. Durch berufsbegleitende Weiterbildungen entstanden Aufstiegsmöglichkeiten, die jedoch nicht bundesweit anerkannt sind.
- Fachkräftemangel: In den vergangenen Jahren war die angespannte Personalsituation ein Hindernis für eine schnelle Anhebung der Quote. Mit der aktuellen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt muss es Trägern nun ermöglicht werden, die Quote unter Einbezug der weitergebildeten Fachkräfte zu erhöhen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine verlässliche Finanzierung – diese steht derzeit in Bayern in Frage.
- Politische Prioritätensetzung: Statt auf eine gesetzlich gesicherte Kitafinanzierung (derzeit nur 60% der Betriebskosten) setzt Bayern bislang stark auf „Teamkräfte“. Doch was wir brauchen, ist eine ausreichende Finanzierung der Kitas, damit von den Trägern gut ausgebildete, kontinuierlich weitergebildete, reflektierte und zugleich empathisch agierende Fachkräfte bezahlt werden können.
Fazit
Für die Qualität in bayerischen Kitas ist nicht allein die Fachkraftquote ausschlaggebend, sondern die konsequente Investition in Professionalität: in qualifizierte Ausbildung, verlässliche Weiterbildung, starke Leitungen und kontinuierliche Beratung. Um dies zu gewährleisten, muss die gesetzlich geregelte Finanzierung deutlich angehoben werden und darf nicht von der Finanzkraft der einzelnen Kommune abhängen. Nur so kann Bayern sicherstellen, dass Kinder – unabhängig von Herkunft und Wohnort – die gleichen Chancen auf Bildung und Teilhabe erhalten.“
[1]https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/gute-kita-qualitaet-in-den-kommunen-sichern-eine-investition-in-die-gesellschaftliche-zukunft, Zugriff 02.10.2025
[2]https://www.zeit.de/news/2025-09/30/bayern-mit-niedrigster-fachkraftquote-in-kitas-bundesweit, Zugriff 02.10.2025


