PQB-Impuls: Marte Meo – „Kraft der positiven Bilder“

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​​​​​​​Während der Freispielzeit ist wütendes Geschrei zu hören. Ali und Mike schildern aufgeregt, dass Lena von hinten kam und ihren Turm umgeworfen hat. Dies hat sie heute schon zum zweiten Mal gemacht. Lena ist weggelaufen und versteckt sich in der Puppenküche. Ähnliche Situationen erleben Pädagog:innen nahezu täglich. Immer wieder stellt sich dann für sie die Frage: Wie kann ich adäquat reagieren und diese Situationen für alle Beteiligten gut lösen?

Ein Weg, den Blick weg von den Schwierigkeiten hin zu den Möglichkeiten zu wenden, bietet die videobasierte Entwicklungsunterstützung Marte Meo. Mit Marte Meo (nach Maria Aarts) steht dem Kita-Bereich eine Unterstützungsmethode zur Verfügung, die die alltäglichen Interaktionssituationen zwischen Pädagog:innen und Kindern in den Mittelpunkt stellt.

Das Besondere an dieser Methode ist ein grundsätzlich entwicklungsunterstützender und ressourcenorientierter Ansatz. Der Name Marte Meo, also „aus eigener Kraft“, drückt diese Haltung aus.

Marte Meo spricht nicht von Entwicklungsdefiziten oder Verhaltensauffälligkeiten, sondern davon, dass ein Kind/ ein Mensch einen für die Bewältigung bestimmter Alltagssituationen erforderlichen Lern- oder Entwicklungsschritt noch nicht getan hat und dabei Unterstützung braucht. Marte Meo geht davon aus, dass hinter jedem auffälligen Verhalten eine „Entwicklungsbotschaft“ steckt. Aus diesem Grund wird zunächst geschaut, welche Fähigkeiten und Kompetenzen ein Kind bereits entwickelt hat und was der nächstmögliche Entwicklungsschritt für das Kind wäre.

Das Medium, mit dem im Rahmen von Marte Meo pädagogischen Kräften Informationen über das Kind vermittelt werden, ist die Videoaufzeichnung. Denn Bilder sagen mehr als tausend Worte!


Marte Meo in der Praxis

In unserer konkreten Situation wird von der Marte Meo-Expert:in eine kurze Filmsequenz (5-10 Minuten) von Lena im Kita-Alltag aufgenommen (Essenssituation, Freispiel, Garderobe…). Der Aufnahme liegt ein Auftrag zugrunde. Der kann zum Beispiel lauten:

„Lena kann positiv und angemessen mit anderen Kindern in Kontakt treten.“

Die Marte Meo-Expert:in analysiert die Aufnahme und wählt Filmabschnitte aus, die sie gemeinsam mit der pädagogischen Kraft, also der gefilmten Person, in ganz kurzen Sequenzen anschaut. Dabei lenkt die Expert:in den Blick der pädagogischen Kraft auf das Gelungene. Nur Expert:in und Fachkraft sind bei dieser „Review“ anwesend.

Während des gemeinsamen Anschauens, gibt die Marte Meo-Expert:in Entwicklungsinformationen über das Kind – in unserem Fall über Lena. Der Fokus liegt darauf, was Lena bereits kann, wie sie mit anderen positiv in Interaktion tritt und was ihr dabei hilfreich ist.

Angenommen, Lena wird beim Essen gefilmt und ein anderes Kind, z.B. Tom, möchte noch einen Apfel. Lena schiebt dem anderen Kind den Teller mit den Äpfeln hin. Das ist eine gelungene Interaktion.

Die Marte Meo-Expert*in kann dann z.B. erläutern: Lena hat Kooperationsfähigkeit, kann sich mit anderen sozial abstimmen und kann adäquat reagieren.

Im nächsten Schritt geht es darum, was die Fachkraft tun kann, um Lena zu begleiten und zu unterstützen. Das bedeutet in der Praxis, dass die Fachkraft das Positive, das sie sieht, auch benennt: „Du hast dem Tom einen Apfel gegeben. Der hat sich sehr gefreut.“ Das Kind kann dadurch sicherer in seinem adäquaten Handeln werden: „Ich habe das richtig gemacht ich habe dem Tom einen Apfel gegeben“.
 

Was kann Marte Meo verändern?

Durch Marte Meo wird der Blick der Fachkraft auf das Positive und Gelingende gelenkt, das sich manchmal schon in ganz kleinen Momenten zeigt. Aufgabe der Pädagog:innen ist es, diese Momente zu sehen und zu benennen und damit dem Kind zu zeigen, was es schon kann. So kann das Kind in der Entwicklung unterstützt werden.

Besonders berührt sind Pädagog:innen in der „Review“-Phase oft, wenn sie sehen, wie intensiv und bedeutend schon ganz kleine Begegnungen sein können. Ihre eigene Wahrnehmung wird schärfer und differenzierter und sie können sich über Gelungenes freuen.

Marte Meo ist eine Methode, die im Rahmen der Pädagogischen Qualitätsbegleitung (PQB) angeboten werden kann.

 

Quellen:

  • Maria Aarts: Eine Einladung zur Entwicklung
  • Markus Bach: Handout Grundkurs
  • Bettina Kiem et.al: Marte Meo: Aus der Praxis für die Praxis         
     

Der Beitrag wurde verfasst von Ute Dohm-Giegler und Ricarda Mursch, Pädagogische Qualitätsbegleitungen beim evKITA.

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Dieser kurze Input soll Ihnen einen konkreten Eindruck vermitteln, an welchen Themen und mit welchen Methoden Sie mit Ihrer/m PQB arbeiten können.

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