Ein Blick auf fast vier Jahre PQB

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Übergangsphase bis Ende 2019 verlängert - 2020 wird es weitergehen!

Fast vier Jahre? Ja, genau. Angelegt war der Modellversuch Pädagogische Qualitätsbegleitung von Kindertageseinrichtungen in Bayern für die Zeit von 2015 bis Ende 2018. Währenddessen wurden die teilnehmenden Einrichtungen und PQBs durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) regelmäßig zu ihren Erfahrungen evaluiert. Aufgrund des Erfolgs, der sich zahlenmäßig bereits in den Zwischenberichten des IFP abzeichnete, wurde die Begleitung durch die PQBs nach Ende des Modellversuchszeitraums zunächst bis Ende 2019 als Übergangsphase verlängert. Es wird auch im kommenden Jahr weitergehen!

Seit Beginn des Modellversuchs 2015 erschienen im Durchblick regelmäßig Berichte über seinen Verlauf. Begeisterte Einrichtungsleitungen beschrieben ihre positiven Erfahrungen, in einem Interview zwischen Fachberatung, PQB, Einrichtungsleitung und Trägervertretung wurde gemeinsam ein sehr positives Resümee bezüglich der Zusammenarbeit gezogen und das Vorstellen verschiedener Methoden und Themen in der Beratung durch Pädagogische Qualitätsbegleiter*innen gaben spannende Einblicke in die konkrete Arbeit von PQB. 
Diese guten Erfahrungen aus der Praxis bereits kurz nach Beginn des Modellversuchs haben dazu geführt, dass bisher mehr als 370 Einrichtungen die individuelle Begleitung in ihrer pädagogischen Weiterentwicklung durch eine*n Pädagogische*n Qualitätsbegleiter*in nutzen konnten. Das und die ständig wachsende Zahl der Einrichtungen auf einer Warteliste – obwohl immer wieder neue Einrichtungen starten konnten – sprechen bereits eine eindeutige Sprache. 
Bisher konnte vielleicht der Eindruck entstehen, die positiven Erfahrungen seien subjektive Einzelmeinungen. Doch nun können wir diese auch objektiv bestätigen und belegen. Denn die Daten der Abschlussevaluation vom Spätsommer 2018 liegen uns vor. Dabei hatte das IFP alle Einrichtungen in Bayern, die an PQB teilgenommen haben oder noch aktiv teilnehmen, sowie alle PQBs abschließend über den Modellversuch befragt. Wir verfügen dankenswerterweise über einen anonymisierten Auszug mit den Daten unserer teilnehmenden evKITA-Mitgliedseinrichtungen.
Die anonyme Abschlussbefragung der Leitungen ergab, dass

  • sich 96 % für eine landesweite Ausrollung der pädagogischen Qualitätsbegleitung aussprechen, 
  • 94 % PQB auch weiterhin nutzen würden, 
  • 88 % sich für ein zeitlich unbefristetes und
  • 98 % für ein weiterhin bedarfsorientiertes Angebot aussprechen.

Diese Zahlen sind bereits beeindruckend und vermitteln ein sehr deutliches Bild von der Zufriedenheit mit dem Angebot der Pädagogischen Qualitätsbegleitung und der individuellen Umsetzung des Konzepts vor Ort. Nun ist die Akzeptanz des Angebots eine Seite. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage nach der Wirkung. Gerade für politische Entscheidungsträger – immerhin wurde und wird PQB durch das Bayerische Sozialministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert – ist dies das Entscheidungskriterium für die Investition in Qualität. Ein stetiges Fördern der Weiterentwicklung von gelebter pädagogischer Qualität in Kindertageseinrichtungen ist auch aus fachlicher und gesellschaftlicher Sicht notwendig. Kommt sie schlussendlich doch denen zugute, die sich mit den Bedingungen in ihrer Kita arrangieren müssen – den Kindern. Und auch hier überzeugen die Zahlen. Dabei sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass die Ergebnisse unserer Mitgliedseinrichtungen im Schnitt besser sind als die Ergebnisse der Gesamtbefragung . Die Werte der Gesamtgruppe stehen in Klammern hinter den evKITA-Werten.

Auf einer 7-stufigen Skala, wobei 7 die höchste Zustimmung ausdrückt, wurden die Einrichtungsleitungen nach erlebten Veränderungen und Gewinnen durch die Begleitung mit PQB gefragt. 

  • Insgesamt 65 % (58,5 %) der Leitungen vergeben die beiden höchsten Zustimmungswerte auf die Aussage, dass PQB eine deutlich positive Veränderung bei der Fähigkeit, eigenes Handeln zu reflektieren, hervorgebracht hat. 
  • Eine grundlegende deutlich positive Veränderung, nämlich die der Bereitschaft zur Weiterentwicklung, sehen 73,8 % (66,7 %) der befragten Leitungen. Ist dies doch der Grundstein, um sich überhaupt auf Weiterentwicklungsprozesse einzulassen. 
  • Eine deutlich positive Veränderung auf der Handlungsebene wird den Fachkräften von 69 % (60,1 %) der befragten Leitungen bescheinigt. 
  • Zudem sehen 73,4 % (70,2 %) (Skalenwerte 7 und 6) einen deutlichen Gewinn für das Gesamtteam und 
  • 71,8 % (69,3 %) einen deutlichen Gewinn für die Kinder. 
  • Eine deutlich positive Veränderung bei der Interaktionsqualität zwischen pädagogischer Kraft und Kind sehen 64 % (59,5 %) der befragten Leitungen.

Wie definieren die Leitungen nun den „deutlich positiven Gewinn für die Kinder“? In einer offenen Frage hatten sie die Möglichkeit, anzugeben, wo genau die Kinder durch die Pädagogische Qualitätsbegleitung profitieren. Hierbei waren auch Mehrfachnennungen erlaubt. Und so bezog sich ein Viertel der Angaben darauf, dass Kinder nun mehr Partizipation erfahren. Ob durch Kinderbefragungen, Mitbestimmung bei der pädagogischen Alltagsgestaltung oder das Expertenwissen der Kinder. Ein Fünftel besagte, dass die Strukturen der Einrichtung mehr an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet wurden. Zum Beispiel wurden hier das Einführen gleitender Brotzeiten, die Umsetzung der (Teil-)Öffnung oder das Überdenken und Ändern von Hausregeln genannt. Eine (bessere) Wahrnehmung der individuellen Bedürfnisse nennt ein weiterer Teil der Leitung. Eine höhere Interaktionsqualität und damit einhergehend (mehr) Wertschätzung, die die Kinder erfahren, wird ebenso als deutlicher Gewinn für die Kinder gesehen. Weiterhin wurde mehrfach genannt, dass die Kinder von neuen Methoden und fachlich/wissenschaftlichen Erkenntnissen des Kitateams profitieren und die pädagogischen Kräfte ihr Handeln öfter reflektieren und sich auf einen Perspektivwechsel einlassen. Hier zeigt sich wieder, wie unterschiedlich die eigenen Zielsetzungen der Einrichtungen waren und an welchen Themen dementsprechend gearbeitet wurde.
Dieser kleine Einblick in die evKITA-spezifischen Evaluierungsergebnisse macht deutlich, welche Wirkung die Begleitung von Kitas durch PQBs und die derzeit sehr individuelle, bedarfsorientierte Gestaltung der Beratungsprozesse in den einzelnen Einrichtungen erzielen kann. Die kontinuierliche Begleitung ist dabei ein wichtiger Punkt, kann hier doch gegenseitiges Vertrauen gewonnen werden, um sich mit Veränderungsprozessen intensiv auseinandersetzen zu können. Wir sind zudem überzeugt, dass die Ergebnisse bei evKITA unter anderem wegen der sehr guten Zusammenarbeit mit der Fachberatung besser sind als die der Gesamtbefragung. Bieten wir hiermit doch eine vertrauensvolle Beratung aus einer Hand an.
Warum „derzeit sehr individuell“? 
Auf Grundlage des Resümeeberichts vom IFP wird das Ministerium Richtlinien für die Weiterführung der Pädagogischen Qualitätsbegleitung erarbeiten. Der Trägerbeirat, bestehend aus Vertreter*innen der Anstellungsträger aller Pädagogischen Qualitätsbegleiter, wünscht sich hierbei eine Beteiligung, um wichtige Erfahrungen aus dieser Perspektive mit einbringen zu können. Derzeit gibt es noch keinen Termin für eine gemeinsame Sitzung und so bleibt es für uns zunächst spannend. Wir, der Evangelische KITA-Verband Bayern e. V., wollen uns jedoch weiterhin an der bedarfsorientierten, individuell gestalteten Begleitung durch PQB beteiligen, von der die Kitas, die darin Tätigen, aber auch Eltern und vor allem die Kinder profitieren. 

Bei Interesse können Sie auf unserer Homepage im internen Bereich unter Aktuelles ein Anmeldeformular für PQB ausfüllen; Sie rücken bei frei werdenden Kapazitäten von der Warteliste auf.

Veronika Dornheim

ist Koordinatorin für Pädagogische Qualitätsbegleitung bei Evangelischen KITA-Verband Bayern. 

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