„Kinder haben ein Recht darauf, nicht den ganzen Tag durchgetaktet zu sein“, erklärt Christiane Münderlein, Vorständin Bildung und Soziales im evKITA. „Die entscheidenden Bildungs- und Beziehungsmomente lassen sich nicht erzwingen, sie müssen sich ereignen dürfen. Dafür brauchen Kinder offene Räume und Zeit.“
Eine bloße Verlängerung des Unterrichts würde einem ganzheitlichen Bildungsverständnis nicht gerecht. Dauerhafte Leistungsanforderungen und überlange Lernzeiten könnten die natürliche Neugier und Kreativität der Kinder einschränken. Ganztag sollte vielmehr ein Lebensraum sein, in dem Kinder wachsen, entdecken und sich selbst erleben können – nicht nur ein Arbeitsplatz für Unterricht.
Unverfügbarkeit als Bildungswert
Ein zentraler Begriff in der Diskussion ist die „Unverfügbarkeit“, wie ihn der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt. Damit sind Momente gemeint, die sich nicht planen oder erzwingen lassen – Zeiten, in denen Kinder selbstbestimmt entdecken, spielen oder einfach „sein“ dürfen. Gerade diese unverfügbaren Momente sind entscheidend für die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung.
Besonders der Hort bietet im Ganztag ideale Bedingungen, um solche unverfügbaren Momente zu ermöglichen. Offene Strukturen, echte Freispielzeiten, fachliche Begleitung durch beziehungsorientierte Erzieherinnen und Erzieher sowie vielfältige Räume und Materialien für Entdeckung, Kreativität und Rückzug machen den Hort zu einem Resonanzraum – gerade für Kinder, die zu Hause wenig Freiraum haben. „Bildungsgerechtigkeit heißt deshalb auch: gleiche Chancen auf Muße und Selbstbestimmung“, so Münderlein.
Mit Blick auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 fordert der evKITA Gestaltungsfreiräume für Kinder und Pädagog:innen jenseits des schulischen Lernens, eine verlässliche Finanzierung von Horten unabhängig von der Finanzkraft der Kommune sowie multiprofessionelle Teams, die Lernen und Freizeitpädagogik qualifiziert begleiten. „Wenn Ganztag gelingt, dann als Lebensraum – nicht als Dauerstunde“, fasst Münderlein zusammen. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit Kinder im Ganztag wachsen können, statt auszubrennen.“
Aktuell vertritt der evKITA rund 700 Träger. Derzeit bieten evangelische Kitas bayernweit mehr als 110.000 Plätze für Kinder in ca. 1.600 Einrichtungen an. Der evKITA vertritt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, das Diakonische Werk Bayern und seine Mitglieder in allen Fragen, die Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder betreffen.
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