10 Jahre Pädagogische Qualitätsbegleitung (PQB) – Warum ist dieses Jubiläum bedeutsam?
Persönlich berührt mich dieses Jubiläum sehr, weil es einen Gedanken aufgreift, der mich mein ganzes Berufsleben begleitet: Pädagogische Qualität entsteht nicht durch Programme, sondern durch Beziehung, Reflexion und Unterstützung.
Das Jubiläum markiert eine wichtige bildungspolitische Weichenstellung. Mit der Einführung der Pädagogischen Qualitätsbegleitung hat Bayern ein bundesweit einmaliges, prozessorientiertes Unterstützungsangebot geschaffen. PQB steht für einen Ansatz, der nicht kontrolliert, sondern befähigt, nicht bewertet, sondern entwickelt und die Qualität dort stärkt, wo sie entsteht, nämlich in den Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern.
Warum ist der Fokus auf Interaktionsqualität so zentral?
Die NUBBEK- Studie (2008) hat eindrucksvoll gezeigt, dass Interaktionsqualität der zentrale Schlüssel zur Verbesserung der Bildungschancen von Kindern ist. Aktuell haben Ergebnisse der internationalen OECD-Studie „Starting Strong“ diese Ergebnisse bestätigt.
So konnten sowohl Forschung als auch Praxis in den letzten Jahren zeigen, dass die Qualität der Interaktionen der stärkste Einflussfaktor für kindliche Entwicklung ist. Feinfühligkeit, Beteiligung, dialogisches Handeln und verlässliche Beziehungen sind entscheidend für Bildungsgerechtigkeit und Kinderschutz. PQB setzt genau hier an und unterstützt Kita-Teams dabei, diese Qualität unter oft herausfordernden Bedingungen weiterzuentwickeln.
Durch PQB wird auch Träger- und Leitungshandeln gestärkt. Die Beratungsprozesse stabilisieren die Teams, verbessern die Personalbindung und tragen zu einer gemeinsamen professionellen Haltung bei. Für Träger bedeutet das mehr Transparenz in Entwicklungsprozessen, höhere pädagogische Qualität und wachsendes Vertrauen bei Familien und Mitarbeitenden.
Welche Rolle spielen Träger in diesem System?
Träger nehmen beim Thema Qualität eine Schlüsselrolle ein. Das Deutsche Jugendinstitut spricht hier treffend von „Trägerqualität“. Trägerqualität ist Voraussetzung für die pädagogische Qualität in einer Einrichtung. Träger gestalten zentrale Rahmenbedingungen – etwa in der Personalführung, der Unterstützung von Leitungshandeln, der Organisationsentwicklung und der fachlichen Begleitung. PQB ist dabei ein wichtiges Instrument, um Qualitätsentwicklung systematisch zu verankern.
PQB ist konsequent prozessorientiert. Es geht nicht um Audits oder Maßnahmenkontrollen, sondern um Reflexion und Dialog im Team. Die Rückmeldungen aus den Einrichtungen zeigen deutlich, dass PQB die Interaktionsqualität stärkt, Teams entlastet und Leitungen in ihrer pädagogischen Führungsrolle unterstützt. Diese Wirkung ist auch wissenschaftlich gut belegt.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Die Rahmenbedingungen im Feld sind anspruchsvoll. Fachkräftemangel, hohe Belastungen bei Kindern und Eltern, steigende Anforderungen an frühkindliche Bildung und der schnelle Wechsel von steigenden und zurückgehenden Kinderzahlen wirken sich unmittelbar auf die Qualität aus. Träger können gegensteuern – etwa durch PQB, Fachberatung und Organisationsentwicklung – sind dabei aber auf verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen angewiesen.
Was ist Ihr Fazit nach zehn Jahren PQB?
Pädagogische Qualitätsbegleitung hat sich als wirksames und nachhaltiges Instrument der Qualitätsentwicklung bewährt. Sie zeigt, dass Qualität durch Beziehung, Reflexion und professionelle Unterstützung entsteht. Diese Grundidee bleibt gerade bei den zukünftigen Herausforderungen der Demokratieförderung und Chancengerechtigkeit auch für die Zukunft zentral.


