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Kitas als Wärmeorte - evKITA im Gespräch mit Prof. Dr. Gerhard Wegner

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Beim Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „BlickPunkte – evKITA-Online-Talk für Kita-Verantwortliche in Kirche und Diakonie“ am 9.12.2021 gingen die Teilnehmenden der Frage nach: „Was bringen evangelische Kitas Kirche und Gesellschaft?“

Zu Gast war der Theologe und Sozialexperte Prof. Dr. Gerhard Wegner, der seine langjährige Erfahrung und die Forschungsperspektive einbrachte. „Professor Wegner ist direkt mit Offenheit und Zugewandtheit ins Gespräch eingestiegen. Das hat mich begeistert. Auch weil man gemerkt hat, dass er sehr an dem interessiert war, was die anwesenden Trägervertreter*innen bewegt“, kommentiert Cornelia Blendinger, Leitung der Stabsstelle Innovation und Organisationsentwicklung beim evKITA und Organisatorin des neuen evKITA-Formats.

Wegner machte im Gespräch deutlich, dass die Unterstützung von Familien und Kindern zum Diakonischen Auftrag gehört und dass Kirche immer auch Diakonie ist. Aus seiner Sicht sind Kitas ein wichtiger Bestandteil von Gemeindearbeit.
 

Kita und Glaube oder anders gesagt: Kita im Beziehungsdreieck

In einer Kita findet eine Weitergabe des christlichen Glaubens statt. Hier können Kinder in die Traditionen „eintauchen“, z.B. durch Nachahmen oder durch das Nachspielen von Geschichten. In der Kita geht es, so Wegner, um Beziehungen – Beziehungen zwischen Menschen aber auch zum Übergreifenden, zu Gott, zum Transzendenten. Dadurch entsteht ein Beziehungsdreieck: ich – du – Gott. Wenn man den Gedanken, dass „mein Kern von Gott geschenkt“ ist, an die Kinder weitergibt, schafft das ein wichtiges Grundvertrauen.
Dieses Grundvertrauen bildet sich hauptsächlich in den ersten Lebensjahren. Und um Gemeinschaft bilden und leben zu können, ist genau dieses Grundvertrauen entscheidend“, kommentiert Blendinger.
 

Kita und Sozialraum oder anders gesagt: Atmosphäre über Gestaltung

Wegner hält (evangelische) Kitas gerade in Brennpunkten für wichtig. Hier können Kinder erleben, dass sie nicht danach bewertet werden, ob sie am Wochenende auf dem Ponyhof oder bei McDonalds waren. Kitas sollen „Wärmeorte“ und „Erinnerungsorte“ sein. Entscheidend dafür ist, dass eine Gemeinde eine profilierte Rolle im Gemeinwesen spielen will.

Durch die Atmosphäre, räumliche Gestaltung und den Umgang miteinander transportiert sich ein Profil oft besser als durch Worte – damit ist nicht nur der Umgang mit den Kindern gemeint, sondern auch der (seelsorgerische Umgang) mit Eltern und Mitarbeitenden. Cornelia Blendinger fasst es folgendermaßen zusammen: „Menschen brauchen Menschen. Eine Kita ist auch Wärmeort für Erwachsene: Mitarbeitende wie Eltern. Eine Kita lebt Beziehungen, lebt Gemeinschaft – hier geht es nicht um ein ausgrenzendes ‚my-home-my-rules‘, sondern um Gesellschaftsfähigkeit und Zugewandtheit.

So kann man den „Geist der Sozialvision“ nach außen tragen und so kann Kirche durch Kitas nach außen sichtbar werden. Das bedeutet auch, „du selbst sein“, mit „deiner Botschaft für die Menschen DA sein“, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Kirchengemeinden und Kitas, die deutlich machen, dass sie „für Sie da“ sind, haben nach Wegners Erfahrung weniger Ressourcenprobleme als andere.

Der Aspekt des Sichtbarmachens hat mir sehr gut gefallen. Wie werden wir noch sichtbarer, mit dem was Gutes in den Kitas geschieht. Wie bringen wir das noch mehr nach Außen? Da lohnt sich das Weiterdenken“, so Blendinger.
 

Kita und Kirchengemeinde oder anders gesagt: Kirchengemeinde in die Kita

Wegner vertritt die Position, dass die Kirche in die Kita gehen muss, weil hier die Menschen sind (nicht die Kita/Kinder in die Kirche). Hierfür braucht es einen offenen und engagierten Kirchenvorstand und Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich des Potenzials bewusst sind, die wissen, dass sie genau hier mit Eltern und Mitarbeitenden ins Gespräch kommen können.

Bei der Frage, wie eine Kita an die Kirchengemeinde angebunden ist, spielt aber auch die Organisationsform der Trägerschaft eine Rolle. Wegner stellt den Teilnehmenden die Frage nach ihren Erfahrungen mit Trägerverbünden und den Folgen für das Verhältnis von Kirchengemeinde und Kita. Dabei kristallisiert sich heraus, dass es Ressourcen und guten Willen braucht, damit der Bezug zur Kirche bleibt. Notwendig ist auch ein Bewusstsein der mittleren Führungsebne, dass Kitas wichtige Bildungsorte und Wirkungsorte für Kirche sind. „Hier kann Kirche leben“, so Blendinger.
 

BlickPunkte

Auch im nächsten Jahr können Kita-Verantwortliche mit evKITA unter dem Motto „BlickPunkte – Online-Talk für Kita-Verantwortliche in Kirche und Diakonie“ über den Tellerrand blicken und Standpunkten begegnen. „Wir werden Expert*innen aus Kirche, Politik, Pädagogik einladen, um ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Argumente zu finden, die uns helfen, uns gut nach Innen und Außen zu positionieren“, so die BlickPunkte-Organisatorin Cornelia Blendinger.

 

Mehr zum Thema:

https://www.evkita-bayern.de/magazin/magazin-detail/begabt-vergnuegt-befreit-evangelische-kitas-fuer-kinder-gesellschaft-und-kirche

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