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Kleine Dokumentation zum JubilÀumskongress 2019 / Teil2



Fachtag am 4. Juli:





„Hören Sie nie auf, selbst zu denken!“ – Prof. Dr. Rita SĂŒssmuth ĂŒber den Wandel der Kitas



Der zweite Kongresstag begann mit einem couragierten Vortrag der ehemaligen BundestagsprĂ€sidentin Prof. Dr. Rita SĂŒssmuth. Ihr Vortragsthema stellte den Wandel der Kitas in den Fokus. Sie betonte zu Beginn, dass es ihr eine Herzensangelegenheit war und immer noch ist, sich fĂŒr die UnterstĂŒtzung von Kindern einzusetzen bzw. diejenigen, die sich tagtĂ€glich fĂŒr die Kinder einsetzen, zu wĂŒrdigen. Nach einem kurzen historischen RĂŒckblick auf die AnfĂ€nge institutionalisierter Kinderbetreuung plĂ€dierte sie fĂŒr eine schnelle Verbesserung und die EinfĂŒhrung einheitlicher QualitĂ€tsstandards von Bund und LĂ€ndern in Kitas. Dringend benötig werden mehr FachkrĂ€fte, um einen kindgerechten PersonalschlĂŒssel verwirklichen zu können. Außerdem mĂŒssten die Rahmenbedingungen fĂŒr Kita-Personal attraktiver gestaltet werden, um dem steigenden FachkrĂ€ftebedarf nachkommen zu können. Sie versprach dazu einen Anruf bei Franziska Giffey, der aktuellen Bundesfamilienministerin, zu starten und erntete daraufhin viel Applaus vom Plenum. Ein weiteres Anliegen war ihr das Thema Digitalisierung: „Wir gestalten die Digitalisierung selbst. Auch die KĂŒnstliche Intelligenz ist zunĂ€chst von Menschen – von Experten – ermöglicht worden. Hören Sie nie auf, selbst zu denken und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Die Demokratie ist die Entscheidung eines jeden Tages.“


„Globalisierung der Menschlichkeit“ – Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ĂŒber Glaube und Bildung



Im Anschluss daran referierte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zum Thema „Glaube und Bildung – Orientierung fĂŒr die Zukunft“. ZunĂ€chst sprach er allen Mitarbeitenden im Kitabereich einen großen Dank fĂŒr ihre geleistete Arbeit aus: „Immer wieder lerne ich die Arbeit vor Ort kennen, wenn ich Besuche in den Gemeinden und Dekanaten mache. Und immer wieder geht es mir so, dass ich am liebsten nochmal Kind wĂ€re, wenn ich sehe, in welchen Umgebungen und mit welcher Begleitung die Kinder heute dort einen wichtigen Teil ihrer Lebenszeit verbringen können.“  Er sprach sich in seiner Rede gegen einen zu frĂŒhen Leistungsdruck bei Kindern aus. „Kinder mĂŒssen nicht fit fĂŒr die Globalisierung gemacht werden“, vielmehr ist das primĂ€re Ziel einer guten Bildung im Kita-Bereich, „dass jeder Mensch geschaffen ist zum Bilde Gottes und deswegen nie primĂ€r Mittel zum Zweck etwa einer florierenden Wirtschaft sein kann, sondern immer primĂ€r Zweck an sich ist“. Kompetenzen- und Wertevermittlung in der Kita hat ihren Platz und ist wichtig, allerdings nimmt heute kirchliche Bildungsarbeit eine andere Perspektive ein: Kinder und Jugendliche werden verstĂ€rkt als Subjekte ihres Lernens, ihrer Religion wahr und ernst genommen. Das bedeutet, dass Erzieher*innen zwar ĂŒber Fachwissen und ein Methodenrepertoire verfĂŒgen mĂŒssen, aber „die QualitĂ€t ihres Engagements davon abhĂ€ngt, ob es ihnen gelingt, mit Menschen so in Beziehung zu treten, dass diese ihre eigenen, subjektiven Potenziale erschließen und aktivieren können.“ Ein weiteres wichtiges Stichwort war in seinem Vortrag die IdentitĂ€t des Menschen, die ohne Ab- und Ausgrenzung gefunden werden muss. In diesem Zusammenhang betonte er den Stellenwert der Ökumene und sprach sich gegen Rechtspopulismus und Hass aus.

Die PrÀsentation von Landesbischof Bedford-Strohm finden Sie im evKITA-Mitgliederbereich: https://www.evkita-bayern.de/549.html



„Bildung ist ohne Bindung nicht möglich“ – Prof. Dr. Dr. Lieselotte Ahnert ĂŒber wissenschaftliche Ergebnisse aus der Bindungsforschung



Kurz vor der Mittagspause gab uns die renommierte Bindungsforscherin Prof. Dr. Dr. Ahnert Einblicke in ihre langjĂ€hrige Forschungsarbeit. Bildung ist ohne Bindung nicht möglich – das unterstrich sie mit Forschungsergebnissen aus dem Kita-Bereich. So wirken frĂŒhe Bindungserfahrungen in der Kita verhaltensregulierend, denn Kinder wandeln diese externen Regulierungshilfen spĂ€ter in eigene Mechanismen um. Deshalb appellierte sie auch an Mitarbeitende in der Kita, sich gerade den Kindern besonders zuzuwenden, die zuhause keine guten Bindungserfahrungen gemacht haben. Auch wenn es Zeit kostet und sich manchmal schwierig gestaltet. Zudem wirken frĂŒhe Bindungserfahungen stressmindernd: „Kinder erfahren so, dass Herausforderungen bewĂ€ltigt werden können und dass es Menschen gibt, die ihnen helfen. “

Soziale und kooperative Kompetenzen sind der SchlĂŒssel fĂŒr die Zukunft – Cornelia Daheim ĂŒber den Wandel in der Arbeitswelt



Nach der Mittagspause beleuchtete die Zukunftsforscherin Cornelia Daheim die Bedeutung von frĂŒhkindlicher Bildung aus Sicht des Wandels von Arbeits- und Familienleben. Dabei betonte sie, dass bei allem Wandel in der Arbeitswelt –  Stichwort Digitalisierung –die schlimmsten BefĂŒrchtungen weitrĂ€umiger Arbeitslosigkeit im Verlauf der nĂ€chsten 10- 15 Jahren in Deutschland nicht eintreffen werden. Vielmehr wird der Erwerb von mehr sozialen und kooperativen Kompetenzen noch bedeutender. „Bildung ist der SchlĂŒssel zur BewĂ€ltigung zukĂŒnftiger Herausforderungen im Bereich der Arbeit. Umgang mit VerĂ€nderungen und die Ausrichtung an Gemeinschaft und Werten wird immer wichtiger werden.“

Die PrÀsentation von Cornelia Daheim finden Sie im evKITA-Mitgliederbereich: https://www.evkita-bayern.de/549.html







„Gene sind maximal Stifte und Papier!“ – Prof. Dr. Markus HengstschlĂ€ger ĂŒber IndividualitĂ€t als Zukunftsressource



Zum Abschluss gab es auf der BĂŒhne nochmal ein Feuerwerk der guten Laune von und mit Humangenetiker Prof. Dr. Markus HengstschlĂ€ger. Mit seinem Vortrag zum Thema „IndividualitĂ€t und Gemeinschaft – Vielfalt als Zukunftsreserve“ beschrieb er in eindrucksvollen Bildern, dass es keinen Sinn macht, eine ganze Generation mit dem Ausbessern ihrer SchwĂ€chen zu beschĂ€ftigen. Genauso wenig ist es sinnvoll, immer nur in den Bereichen fleißig zu sein, fĂŒr die man kein Talent hat, denn dabei kann nur Durchschnitt rauskommen. Und das ist nicht das RĂŒstzeug, das wir fĂŒr die Zukunft brauchen. „Jeder hat individuelle Leistungsvoraussetzungen und wir mĂŒssen junge Menschen darin ermutigen, ihre StĂ€rken zu stĂ€rken. Denn Gene sind maximal Stifte und Papier. Seine Geschichte schreibt jeder Mensch selbst.“

"Zukunft liegt in unserer Hand“ – Moderator Willi Weitzel fasst zusammen



Durch beide Kongresstage fĂŒhrte mit viel Humor und Neugierde Moderator Willi Weitzel. Bekannt aus „Willi will‘s wissen“ resĂŒmierte er nach zwei Kongresstagen, dass nach all den VortrĂ€gen und GesprĂ€chen vor allem unsere Haltung im Alltag entscheidend ist: „Was wirklich in Richtung Zukunft passiert, liegt bei uns. Und nicht bei der Technik. Wenn wir nicht optimistisch das Leben in die Hand nehmen, wird die Zukunft nicht positiv. Zwei Dinge hat der JubilĂ€umskongress uns gegeben: Wurzeln und FlĂŒgel UND ein zuversichtliches LĂ€cheln.“



Quintense - Ein Feuerwerk der Stimmen



Die musikalische Begleitung durch das außerordentlich aussdrucksstarkes Vokalensemble Quintense am Donnerstag sorgte fĂŒr hervorragende Stimmung.

Der Kongress in Bildern



Pfarrer Thomas Wolf begleitete an beiden Tagen graphisch den Kongress. Mit viel KreativitÀt, Können und einem dicken Augenzwinkern fing er mit Stift und Papier Momentaufnahmen des JubilÀums ein.

Impulse aus der pÀdagogischen Praxis



Im Foyer der FĂŒrther Stadthalle stellten wĂ€hrend des Kongresses evangelische Kitas aus ganz Bayern Projekte aus ihrer pĂ€dagogischen Arbeit oder auch ihr pĂ€dagogisches Konzept vor. So konnten die Kongressbesucher*innen sich Impulse und neue Ideen fĂŒr ihre eigene Arbeit holen oder einfach nur staunend durch die Ausstellung gehen.

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